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Erfahrungen, Ideen und Anregungen aus der Praxis

Ein Fundus aus mehr als 6.000 Einreichungen

Wir haben euch, die Pflegekräfte Deutschlands, gebeten: Teilt eure Erfahrungen und Ideen aus der Praxis, die für mehr Pflege-Kraft sorgen können. Über 6.000 Einträge von Pflegerinnen und Pflegern aus unterschiedlichen Bereichen haben uns erreicht. Wir sichten und werten sie laufend aus. Dabei zeigt sich schon heute, dass euch sechs Themen ganz besonders am Herzen liegen – und ihr für einige auch schon Vorschläge parat habt.

Im Jahr 2020 soll der Austausch mit der Pflegepraxis zum Prinzip werden. Macht auch weiterhin mit und registriert euch jetzt für das Pflegenetzwerk Deutschland.

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„Mehr Anerkennung
durch bessere Bezahlung

(v.a. die geleisteten Überstunden)

Zeitwertkonten.“

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„Verlässliche Dienstpläne

Angemessene Bezahlung
und Flächentarifvertrag

Arbeitgeber, die nicht 14 Prozent
Rendite erwirtschaften müssen.“

Wir machen weiter, macht mit!

Jens Spahn

Bundesminister für Gesundheit

Bundesminister Jens Spahn: „Mir zeigt unsere Aktion: Der Austausch mit der Pflegepraxis muss zum Prinzip werden. Daher bitte ich Sie: Bleiben Sie mit uns in Kontakt. Mit dem Pflegenetzwerk Deutschland setzen wir 2020 die gemeinsame Arbeit für mehr Pflege-Kraft fort.“

 

Was gibt euch mehr Pflege-Kraft? Ein erster Überblick:

  • Mitbestimmen und sich gemeinsam organisieren

    Viele von euch wollen mehr mitreden als bisher – und zwar nicht nur, wenn es um den eigenen Dienstplan geht: Ihr wollt euer Wissen einbringen, um Prozesse in eurem Arbeitsalltag zu verbessern. Außerdem wünschen sich viele von euch eine bundesweite Interessenvertretung, mit der ihr auf Augenhöhe eure Belange äußern und durchsetzen könnt. Sehr unterschiedliche Standpunkte gab es dabei zum Thema Pflichtbeitrag für eine solche Pflegekammer.

    Gute Erfahrungen und Praxisbeispiele zum Thema finden sich hier:

    Lars H.:

    Als Pflegedienstleiter einer mittelgroßen trägerunabhängigen Altenpflegeeinrichtung in NRW muss ich sagen, dass die Pflegefachkräfte an dem Dilemma in der Altenpflege leider nicht ganz unschuldig sind. Der Organisierungsgrad ist bedenklich niedrig (Berufsverbände, Gewerkschaften, Parteien). Dies könnte eine Pflegekammer ändern. Es sollte noch deutlicher gemacht werden, dass Kammern ein höheres Gewicht haben, wenn alle Pflegekräfte dort organisiert sind. Wie hoch der Einfluss sein kann, sieht man bei den Ärztinnen und Ärzten. Außerdem sollten Teile der jetzt noch von den Ärztinnen und Ärzten zu verantworteten Tätigkeiten der Pflege übertragen werden. Entsprechend weitergebildete Pflegekräfte sollten die Kompetenz haben, zum Beispiel ohne ärztliche Anordnungen Wundversorgungen durchzuführen. Ein ähnliches Vorgehen kann ich mir auch für weitere Bereiche vorstellen: Warum können Pflegekräfte nicht auch Hilfsmittel organisieren (Rollstühle etc.)? Warum nicht auch (bei entsprechender Indikation) Ergotherapie, Logopädie und Krankengymnastik verordnen? Dies würde die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte entlasten und das Berufsbild der Pflege verbessern. Denn schließlich kennen die Pflegekräfte die Belange der Bewohnerinnen und Bewohner am besten.

    Anna G.:

    Ich befinde mich aktuell im Oberkurs der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ein Vorschlag wäre eine Schülervertretung. Eine Kammer für Auszubildende auf offizieller Ebene, sodass auch von „uns“ Leute da sind, die sich starkmachen und für Besserungen einsetzen.

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  • Das System weiterentwickeln

    Viele eurer Vorschläge zielen darauf ab, das Gesundheitssystem im Ganzen weiterzuentwickeln: Einige Pflegekräfte fordern beispielsweise, die Fallpauschalen beziehungsweise das DRG-System komplett abzuschaffen. Andere finden es wichtig, dass sich die Gewinnorientierung eindämmen ließe, und nennen Beispiele, wie das möglich wird. Statt Zeitarbeit, so eine weitere Anregung von euch, könnte zum Beispiel ein „staatlich organisierter“ Springerpool geschaffen werden. Zudem könnten Mitarbeitende mit Migrationshintergrund durch Einarbeitungsbeauftragte schneller integriert werden.

    Gute Erfahrungen und Praxisbeispiele zum Thema finden sich hier:

    Matthias D.:

    Wir im Haus Philippus, Evangelische Stadtmission Heidelberg, kennen keinen Pflegefachkräftemangel. Seit Jahrzehnten geben wir freiwilligen sozialen Helferinnen und Helfern sowie Bundesfreiwilligen die Möglichkeit, die Pflege bei uns kennenzulernen. Durch den Mangel an deutschen Freiwilligen nehmen wir Freiwillige aus der ganzen Welt bei uns auf, zum Beispiel aus Asien, Osteuropa und Afrika. Wir bieten Deutschunterricht an. Viele kommen mit guten Deutschkenntnissen. Wenn den jungen Menschen die Arbeit Spaß macht und sie fähig sind für die Aufgaben, können sie bei uns die Ausbildung machen. Nach der Ausbildung bieten wir einen Arbeitsplatz an. Wir haben Wohnmöglichkeiten für bis zu 20 Freiwillige. Zurzeit haben wir über 30 Auszubildende. Eine freigestellte Anleiterin kümmert sich mit anderen um die Freiwilligen. Die Fachkraftquote liegt bei uns zwischen 60 und 70 Prozent. Die Krankheitsquote lag 2016 bei 5,44 Prozent, 2017 bei 3,8 Prozent und 2018 bei 4,44 Prozent, 2019 liegt sie voraussichtlich bei etwa vier Prozent. Wir haben eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit. Bei uns werben Freiwillige Freiwillige. Auf Wunsch stellen wir gerne unser Konzept vor!

    Michaela G.:

    Es sollte möglich sein, im eigenen Krankenhaus auf 400-Euro-Basis steuerfrei dazuverdienen zu dürfen. Viele Halbtagskräfte arbeiten nicht mehr, weil es finanziell nichts bringt beziehungsweise die Mehrarbeit von den Steuern aufgefressen wird. Ich bekomme eine Erziehungsrente. Diese muss ich versteuern und die Rente wird auf den Verdienst angerechnet. Wegen der hohen Abzüge ist jede Mehrarbeit umsonst. Außerdem sollte man Überstunden steuerfrei auszahlen. Die Leute wollen verdienen und werden bei gerechter Bezahlung auch arbeiten. Man sollte Wunschdienstpläne mit Arbeitszeitwünschen verbindlich einführen, aber Stationsleitungen stellen sich meist dagegen. Die Leute arbeiten lieber bis zu zehn Stunden, um dann länger freizuhaben. Außerdem sinnvoll: Urlaubszeiten für Pflegekräfte auf acht Wochen erhöhen beziehungsweise mindestens einmal drei Wochen Urlaub am Stück, um abschalten zu können. Die Leute haben Angst, bei reinem Nachtdienst ins Stundenminus zu kommen. Dies müsste vom Arbeitgeber ausgeglichen werden. Wegen Personalmangels wird vorgegeben, die Arbeitszeiten nicht ändern zu können. Die Häuser müssten dazu gezwungen werden, dass jede Pflegekraft, die mehr als zehn Stunden gearbeitet hat, aus dem Dienst genommen wird. Wochenenden und Nächte ordentlich bezahlen und steuerfrei! Keine Rufdienste in Akutkrankenhäusern! Rufdienste bringen kein Geld und schränken die Freizeit massiv ein. Wir brauchen ein niedrigeres Renteneintrittsalter für Pflegekräfte: zum Beispiel ab 60 – denn der Beruf ist zu anstrengend, um bis 67 arbeiten zu können. Wer möchte, kann natürlich länger arbeiten, mit deutlichen Anreizen und unter Berücksichtigung des Alters.

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  • Attraktive Arbeitsbedingungen

    Der Pflegeberuf kann sehr glücklich machen – vor allem, wenn es genug Zeit für die Pflegebedürftigen gibt, Arbeit und Privatleben sich gut miteinander verbinden lassen und die Bezahlung stimmt. Um das zu erreichen, habt ihr Verbesserungen in fünf Bereichen vorgeschlagen:

    1. Arbeitszeitregelungen und Entlohnung könnten optimiert werden, zum Beispiel durch flächendeckende Tarifverträge und, so schlagt ihr vor, eine 35-Stunden-Woche.
    2. Vereinbarkeit und Flexibilität sind eurer Meinung nach ausbaubar, beispielsweise durch flexiblere Dienstzeiten beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit.
    3. Altersgerechtes Arbeiten könnte durch Altersteilzeit verbessert werden; zudem fordern viele von euch eine betriebliche Altersvorsorge.
    4. Die Aus- und Weiterbildung kann optimiert werden; zudem findet ihr, dass Arbeitgeber Quereinstiege ermöglichen sollten.
    5. Viele regten auch an, höhere Pflegeschlüssel festzulegen und beispielsweise Gehälter in ambulanter und stationärer Pflege anzugleichen.

    Gute Erfahrungen und Praxisbeispiele zum Thema finden sich hier:

    Michaela S.:

    Für unser Projekt „Mobilität und Ergonomie“ mit der Zielsetzung der Betrieblichen Gesundheitsförderung haben wir eine Stabsstelle eingerichtet. Diese läuft seit Februar 2019 für vorerst zwei Jahre und wird von einer Mitarbeiterin mit der Grundqualifikation Physiotherapie besetzt. Durch praxisnahe Anleitung der Pflegekräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Berufsgruppen in ergonomischer und damit rückengerechter Arbeitsweise möchten wir die Belastung des Muskel-Skelett-Systems reduzieren. Dazu gehört auch die Unterstützung bei schwierigen Transfers. Wir beabsichtigen, „Hilfsmittel-Experten“ ausbilden zu lassen, die in der Rolle als Multiplikatoren auf den Wohnbereichen die Nachhaltigkeit sichern. Die Ressourcen der einzelnen Bewohner werden analysiert, um ihre Mobilität gezielt nutzen zu können. Bewegungsangebote für die Bewohnerinnen und Bewohner sollen ihre Mobilität erhalten und fördern. Sind diese mobil, reduziert das deutlich die Belastung für die Pflegekraft. Hinzu kommt, dass durch Mobilität die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner gesteigert wird. Des Weiteren werden personengebundene Hilfsmittel bestellt, durch die einerseits die Pflegekräfte entlastet und andererseits die Selbstständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner erhalten wird. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten wir ein Bewegungsprogramm in Form der „bewegten Pause“ an: Das Projekt läuft zurzeit außerhalb der Stellenschlüssel und wir erhalten keine sonstigen Fördergelder. Nach knapp einem Jahr stellen wir fest, dass das Projekt sehr erfolgreich angelaufen ist. Allerdings braucht es für eine nachhaltige Fortführung personelle Ressourcen in Form von Freistellungen und finanzielle Ressourcen für weitere Qualifizierungsmaßnahmen.

    Julian D.:

    Ich arbeite für zwei Schwesterngesellschaften, welche gemeinsam als Familienunternehmen geführt werden – einen ambulanten Pflegedienst mit Tagespflegen und eine stationäre Pflegeeinrichtung. Die Leitungsebene hat in den letzten Monaten sehr viele Maßnahmen eingeführt und auf den Weg gebracht, welche den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur viel Kraft und Motivation mit auf den Weg geben, sondern ihnen auch viel für ihren Einsatz zurückgeben sollen. Dazu gehören Maßnahmen in den Bereichen:

    • Betriebliches Gesundheitsmanagement: In Kooperation mit einer Krankenkasse wurde ein besonderes Sportangebot für Mitarbeiter*innen geschaffen. Dieses an ein bekanntes Sportkonzept angelehnte Angebot steht den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich zu mehreren schichtdienstfreundlichen Zeiten kostenlos zur Verfügung und wird durch ausgebildete Physiotherapeutinnen und -therapeuten begleitet.
    • Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Für die Kinder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird eine betriebliche Kinderbetreuung mit schichtdienstfreundlichen Arbeitszeiten eröffnet. Auch eine Notfallbetreuung (wenn eingesprungen werden muss) soll angeboten werden. Dazu wird ein kleines Gebäude umgebaut und erweitert, um Platz für bis zu zehn Kinder zu schaffen.
    • Nachwuchsförderung: Das Pflegeheim ist Hauptpartner des Queen Silvia Nursing Awards. Dieser Innovationspreis unter Schirmherrschaft der schwedischen Königin Silvia richtet sich an Pflegeschülerinnen und -schüler. Mit einer Idee zur Verbesserung der Pflege kann eine Schülerin oder ein Schüler 6.000 Euro Preisgeld und bis zu sechs Monate individuelles Praktikum gewinnen. Dies soll nicht nur innovatives Denken fördern, sondern auch die Motivation für den Pflegeberuf stärken und der Pflege mehr Aufmerksamkeit schenken.
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  • Besseres Image der Pflege

    Der Öffentlichkeit ist oft nicht bewusst, wie viel Expertise hinter den einzelnen Berufen in der Pflege steckt. Hier wünschen sich viele von euch eine Veränderung. Eine oft genannte Idee ist zum Beispiel eine Imagekampagne für den Beruf. Daneben halten es viele für wichtig, dass Presse- und Öffentlichkeitsarbeit die Erfolge von Pflegekräften sichtbarer macht. Auch Informationstage in Schulen könnten aus eurer Sicht helfen, Vorurteile abzubauen und zur Gesundheitsaufklärung und Krankheitsprävention beizutragen.

    Gute Erfahrungen und Praxisbeispiele zum Thema finden sich hier:

    Tahnee G.:

    Zuallererst sollten die jungen Leute von heute den Ausbildungsberuf als Gesundheits-/Krankenpflegerin oder -pfleger attraktiv und spannend finden, damit auf längere Sicht genug Personal da ist. Ich habe mir diese Frage die letzten Tage tatsächlich auch gestellt und mit meinen Arbeitskolleginnen und -kollegen auf Station darüber geredet. Ich finde, Social Media hat heute so viel Einfluss auf junge Leute. Die Influencer zeigen etwas, Tausende junge Leute möchten dies auch. Nicht nur auf Klamotten oder elektrische Geräte bezogen, sondern auch auf Reiseziele etc. Ich habe mir die letzten Tage oft überlegt, ob ich mir ein neues Profil anlege und anfange, über meinen Beruf und meinen Alltag zu berichten. Die Arbeitsbedingungen bei uns auf Station (ich arbeite an einer Uniklinik) sind ziemlich gut. Es macht Spaß, wir sind ein junges Team. Klar, bei mehr Geld und einem höheren Ansehen in der Gesellschaft wäre schon viel gewonnen. Aber ich mache den Beruf, weil ich ihn liebe.

    Karin K.:

    Praktikantinnen, Praktikanten und Azubis müssen von uns ernst genommen werden und nicht als billige Arbeits- und Putzkräfte missbraucht werden. Wir sollten ihnen Freude am Beruf vermitteln und ihnen die schönen Seiten des Berufs zeigen. Wenn Schülerinnen und Schüler im Haus ein Praktikum machen, sollten sie für diese Zeit einer „guten“ Pflegekraft an die Hand gegeben werden und nicht im ganzen Haus „herumgeschubst“ werden. Auszubildenden wird gesagt, dass für die Praxisanleitung kaum Zeit ist. Wie soll ein junger Mensch in seiner Arbeit sicher werden und Freude haben, wenn es täglich nur darum geht, alle Bewohnerinnen und Bewohner schnellstmöglich an die Frühstückstische zu bekommen?

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  • Gute Führung

    Der Pflegeberuf erfordert viel Eigeninitiative – diese kann durch fähige Führungskräfte und sinnvolle Strukturen entscheidend beflügelt werden. Das wissen viele von euch und schlagen daher Änderungen in der Personal- und Organisationsentwicklung vor. Um mehr Pflege-Kraft zu schaffen, habt ihr teils sehr konkrete Ideen für ein besseres Gesundheitsmanagement, mehr Mitverantwortung sowie für mehr Mitsprache bei Planungs- und Steuerungsaufgaben eingebracht.

    Gute Erfahrungen und Praxisbeispiele zum Thema finden sich hier:

    Andreas W.:

    Als Geschäftsführer eines stationären Hospizes frage ich mich seit Langem, wie wir als Arbeitgeber interessant für Pflegekräfte sein können. Dazu gehört für uns selbstverständlich eine tarifliche Entlohnung. Dazu kommt eine Betriebsvereinbarung, die den Abbau von Überstunden regelt und Dienstjubiläen honoriert. Auf dieser Grundlage ist es uns in den letzten Jahren gelungen, 2.500 Überstunden abzubauen. Wir haben weitere Maßnahmen eingeführt:

    • Springt ein Mitarbeitender bei Ausfall eines anderen ein, wird eine Stunde zusätzliche Arbeitszeit gutgeschrieben.

    • Das Haus übernimmt die Beiträge der Pflegekammer für die Mitarbeitenden des Hauses.

    • Alle Mitarbeitenden bekommen pro Jahr zwei Fortbildungstage zur freien Verfügung.

    • Wir stellen ein jährliches Budget von 10.000 Euro für teambildende Maßnahmen frei.

    Die Themen Zusammenarbeit, Mitbestimmung und Leitungsstruktur sind mit strukturellen Aspekten verbunden. Voraussetzung ist ein Grundverständnis aller im Haus Beschäftigten darüber, wie wir miteinander umgehen wollen. Dazu haben wir ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt, das auch die Beziehungsqualität einbezieht. Wir fragen uns also, WIE wir Dinge angehen, WIE wir miteinander umgehen und WIE wir kommunizieren. Das bedeutet, dass wir neue Konzepte gemeinsam erarbeiten und diskutieren. Erst wenn Konsens besteht, werden neue Vorschläge umgesetzt. Die Leitung versteht sich nicht als „Direktive“, sondern als Partner. Denn um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, benötigt es eine Grundhaltung, die sich an den Werten der Mitarbeitenden orientiert. Um ein gutes Arbeitsklima im Unternehmen zu erreichen, sind Mitbestimmung, Transparenz und Persönlichkeit notwendig. Das kostet Geld. Und es verlangt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den vielen Herausforderungen, vor denen Einrichtungen im Gesundheitswesen stehen.

    Insa V.:

    Wir im St. Johannisstift haben einen bunten Strauß an Aktionen, die den Beruf der Pflege attraktiv machen und ein positives Image stärken:

    • Es gibt eine 5,5-Tage-Woche.

    • Es gibt Betriebliches Gesundheitsmanagement (E-Bike-Leasing, Physiotherapie vergünstigt im Haus, Kinesiologie zum Stressabbau).

    • Wenn Mitarbeitende in der Not aus ihrer Freizeit geholt werden, bekommen sie ein finanzielles Dankeschön.

    • Zurzeit ist ein Workshop geplant, in dem Mitarbeitende zu Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Arbeit gefragt werden, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und umzusetzen, die ihren Bedürfnissen gerecht werden.

    • Wir „blistern“, das heißt, Medikamente werden von einer lokalen Apotheke je Bewohnerin oder Bewohner zusammengestellt, was eine große Zeitersparnis in der Versorgung bedeutet und somit wieder mehr Zeit für die Betreuung ermöglicht.

    Birgit W.:

    Seit mehr als elf Jahren bin ich Geschäftsführerin einer Tagespflegeeinrichtung. In unserer Einrichtung stellen wir ausschließlich Teilzeitkräfte ein, da wir der Meinung sind, dass Pflege- und Betreuungskräfte einen angemessenen Ausgleich an Freizeit benötigen, um den Anforderungen in der Pflege und Betreuung gerecht zu werden. Wir erstellen gemeinsam mit dem Team unsere Dienstpläne. Hierfür gibt es ein Buch, in dem gewünschte freie Tage eingetragen werden. Nachdem der Dienstplan geschrieben ist, wird dieser gemeinsam noch einmal besprochen. Dies funktioniert sehr gut, da wir in unserer Einrichtung ein sehr gutes Team haben, in dem ein Verständnis für einander besteht. (Mütter mit kleinen Kindern haben bei uns zu Weihnachten zum Beispiel immer dienstfrei.)

    Anke K.:

    Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner gibt es keine geregelten Aufsteh- und Zubettgehzeiten, dadurch sind die Menschen ausgeruhter und ausgeglichener, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es keine Laufpläne und die Dienste sind entspannter. Außerdem können individuell kürzere und längere Dienste eingerichtet werden. Wir haben auch diverse „Muttidienste“. Kinder und Hunde dürfen auch mal mitgebracht werden. Bei uns gibt es keine Zeitarbeitsfirmen – diese sollten in der Pflege abgeschafft werden. Am Wochenende ist unsere Einrichtung gleich besetzt wie in der Woche. In allen Bereichen wird mit hauseigenem Personal gearbeitet, nichts wird ausgelagert. Wir haben eine eigene Hausreinigung und Wäscherei. Hier konnte ein Schwerbehindertenarbeitsplatz für eine gehörlose Mitarbeiterin geschaffen werden. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter fühlt sich zugehörig, dadurch sind die Informationswege kurz. Wir haben eine hauseigene Speisezubereitung von hauswirtschaftlichem Fachpersonal – ohne Einsatz von Fertigprodukten. Kuchen und Brot werden täglich frisch hergestellt. Bei uns wird der Dienstplan vier Wochen im Voraus erstellt. Es gibt ein „Wunschbuch“, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „wunschfrei“ eintragen können. In der Regel haben sie jedes zweite Wochenende frei. Es wird ein zusätzlicher EDV-Arbeitsplatz eingerichtet, weil unsere an MS erkrankte Pflegefachkraft regelmäßige Homeoffice-Dienste hat.

    Die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist uns wichtig: Wir haben an einem dreijährigen Gesundheitsprojekt der AOK teilgenommen, bieten jährlich einen Gesundheitstag an, nehmen mit einer Gruppe an einem jährlichen örtlichen Staffellauf teil und unterstützen Gesundheitskurse finanziell.

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  • Digitalisierung als Chance

    Viele von euch würden sich über mehr Digitalisierung in der Pflege freuen – denn ihr wisst, dass dadurch Bürokratie und unnötige Schreibtischarbeit wegfallen und Zeit gespart werden kann. Unter euren Wünschen war etwa, die Einsatzplanungen online umzusetzen oder Dokumentationen papierlos via Tablet oder Smartphone zu ermöglichen. Mehrere Pflegekräfte forderten zudem die Entwicklung eines einheitlichen digitalen Systems in Kooperation mit den Krankenkassen.

    Gute Erfahrungen und Praxisbeispiele zum Thema finden sich hier:

    Thorsten P.:

    Wir, die Mitarbeitenden des AWO-Bezirksverbandes Braunschweig e. V., danken für die Möglichkeit, unsere Ideen, Vorschläge, Anregungen und bereits konkrete Umsetzungen zu präsentieren. [...] Diese Aktivitäten setzen wir bereits um und erzielen damit einen Mehrwert für unsere Pflegekräfte. [...]

    Digitalisierung:

    • Dokumentation, Tablets, Touch-Monitore.
    • Einsatz in der Betreuung (JustoCat, media4care).
    • Aktuelle Projekte: Sturz-App, Pflegebrille, sprachgesteuerte Dokumentation, Personalrecruiting (Talentry).

    Innovationslabor:

    • Ein Ort für Mitarbeitende zur Entwicklung von neuen sozialen Dienstleistungen, Ideen oder Verbesserungen des Arbeitsalltages mithilfe von neuen und kreativen Arbeitsmethoden (Design Thinking etc.)

    Gemeinsam begegnen wir so aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie beispielsweise dem demografischen Wandel, der Digitalisierung, dem Fachkräftemangel und der regionalen Entwicklung.

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Skaiste, Gesundheits- und Krankenpflegerin.

„Ist doch egal, aus welchem Land ich komme.

Alle Pfleger machen den gleichen Job.“

Edmund, Palliativpfleger.

„Sterben und Zeitdruck

passen überhaupt nicht zusammen.“

Ingrid, Gesundheits- und Krankenpflegerin.

„Ich bin doch kein Dienstmädchen.

Ich habe mehr zu sagen.“

Martina, Pflegedienstleitung.

„Wir geben täglich unser Bestes.

Aber wer kümmert sich um die Pfleger?“

Wir brauchen mehr Pflege-Kraft.

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